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Deutschland und Frankreich machen sich stark für ein europäisches „Digital Valley“

Der deutsch-französische EUnicorns Day dient als Plattform, um die Vorteile der Start-up-Szenen Deutschlands und Frankreichs zusammenzubringen

 

 

Beim 2. EUnicorns Day forderten die Teilnehmer einhellig den europäischen digitalen Binnenmarkt. Einheitliche EU-Normen und Standards sind für die europäischen Unternehmen die notwendige Voraussetzung, um eine annähernde Wettbewerbsfähigkeit mit den USA zu erreichen. Für höhere Wachstumschancen sind weiterhin der Ausbau der Netzinfrastruktur, mehr europäisches Wagniskapital und ein intensiverer Austausch zwischen erfolgversprechenden Start-ups nötig.

 

In der Finanzwelt ist ein Unicorn kein Einhorn, sondern ein Start-up-Unternehmen, dessen Marktwert eine Milliarde Euro übersteigt. Um den im weltweiten Vergleich relativ kleinen europäischen Einhörnern gegenüber ihren meist größeren amerikanischen Artgenossen bestmögliche Voraussetzungen zu Entfaltung und Vermehrung zu bieten, suchen Deutschland und Frankreich den Schulterschluss.

 

Nach einer Auftaktkonferenz im Oktober 2015 im Pariser Elysée-Palast, bei der Kanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident François Hollande ein abgestimmtes deutsch-französisches Vorgehen zur Beschleunigung des digitalen Wandels in der Wirtschaft vereinbarten, bot der EUnicorns Day am 9. Mai die Möglichkeit, konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik weiterzugeben. Unter der Schirmherrschaft der Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und Sigmar Gabriel diskutierten in Berlin Vertreter von Start-ups, Unternehmen sowie Ministerien aus Deutschland, Frankreich und ganz Europa einen ganzen Tag über Chancen und Herausforderungen einer digitalisierten Gesellschaft, denn „das künftige Wachstum unserer Ökonomien wird immer mehr von erfolgreichen Start-ups abhängen“, wie Botschafter Philippe Etienne konstatierte.

 

Workshops auf dem „Spielfeld“ – Roland Bergers neuem Hub, in dem etablierte Unternehmen, digitale Experten und Start-ups zusammenkommen, um Innovationen zu beschleunigen und den digitalen Wandel voranzutreiben, bildeten den Auftakt. Deutsche und französische Sichtweisen zur digitalen Welt von morgen wurden ausgetauscht und Zielvorstellungen zu den Themen „Cybersecurity“, „Mobilität“ und „Industrie 4.0“ formuliert. Unter den Teilnehmern herrschte Übereinstimmung darin, dass die Digitalisierung einen positiven Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen leisten kann, wenn die Ausbildung junger Menschen und die Management-Strukturen in den Unternehmen angepasst werden.

 

Am Abend, bei der High-Level-Podiumsdiskussion in der französischen Botschaft, gab Roland Bergers CEO Charles-Edouard Bouée das Ziel eines starken gemeinsamen Ökosystems für Innovationen aus, denn Europas Wirtschaft stehe für die kommenden 5 Jahren vor der Wahl, dank Digitalisierung zu 1,25 Billionen Euro zusätzlichen Wachstums zu gelangen oder ohne Anschluss an die weltweite Digitalisierung über 605 Milliarden Euro zu verlieren. Laut Bouée ist und bleibt Europa zwar unschlagbar hinsichtlich der Lebens- und Ausbildungsqualität für junge Talente und profitiert von deren Diversität sowie im Vergleich zum Silicon Valley günstigeren Lohnkosten. Um junge Start-up-Unternehmer zu halten, müssten ihnen in der EU jedoch bessere Voraussetzungen beim Zugang zu Wagniskapital und einheitliche gesetzliche Regelungen geboten werden.

 

Dirk Hoke, Chef der Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus, begrüßte, dass die Regierungen ihre digitalen Strategien angleichen. Zusammen mit den anderen Teilnehmern forderte er aber ein höheres Tempo bei der Einführung EU-weiter Normen und Standards, um eine annähernde Wettbewerbsfähigkeit mit den USA zu erreichen. Nur ein europäischer digitaler Binnenmarkt mit gemeinsamen Regelungen biete unseren Unternehmen optimale Wachstumschancen. Bisher müsse der Erfinder einer App vor deren Einführung in der EU die Datenschutzrichtlinien aller 28 Mitgliedsstaaten einzeln prüfen und befolgen…

 

Frankreichs Botschafter Philippe Etienne versicherte den Teilnehmern, dass Deutschland und Frankreich auch in Brüssel mit einer gemeinsamen Strategie vorgehen würden.

 

Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie kündigte Deutschlands 100-Milliarden-Euro-Investition zum Ausbau des Breitbandnetzes an. Er plädierte zudem für verstärkte Risikokapitalinvestitionen, damit europäische Start-ups nicht mehr so leicht von amerikanischen Unternehmen aufgekauft würden.
Selbstkritisch merkte Machnig an, dass sich in Deutschland aktuell 4 (!) Ministerien mit Digitalisierung beschäftigen – zur Vermeidung von Ineffizienz forderte er eine klare Hierarchisierung der Federführung. Deutschland wird das Thema Digitalisierung über den europäischen Kontext hinaus übrigens auch während seiner G-20-Präsidentschaft 2017 prioritär vorantreiben.

Im Oktober 2016 werden sich Angela Merkel und Francois Hollande zum zweiten deutsch-französischen Digitalgipfel treffen – der EUnicorns Day in Berlin gab ihnen einige nützliche Vorlagen, den Dialog fortzuführen.

 

Erik Haase - 10 Mai 2016